STATEMENT

Wenn ich unterwegs bin, bin ich glücklich. Es gibt mir das Gefühl, verbunden zu sein. Eine Leichtigkeit, nur mit dem Nötigsten ausgestattet der Welt zu begegnen. Es geht um Losgehen und ein ungewisses Ankommen. Diese Spannung ist der Ursprung meiner Arbeit. Meine Kunst entsteht aus einer großen Neugierde heraus und basiert auf jenen Fragen, die ich selbst an die Welt stelle.

Viele Menschen träumen von Freiheit, vom Losgelöstsein von Alltagssorgen und von Abenteuer. Mit diesem Traum wird großes Geld gemacht: Freizeitabenteuer-Pauschalreisen, Survival-Ausrüstung für die Stadt... Den Geruch der Weite lassen sich Viele hohe Summen kosten. Dabei ist das Heilsversprechen unberührter Natur längst Massenware. Anderen geht es scheinbar darum, den höchsten Berg zu erklimmen, die größte Welle zu reiten, den weitesten Weg zu laufen. Aber worum geht es wirklich, was treibt sie an.

Der Kontakt mit Menschen ist ein entscheidender Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit. Mich interessieren die Sichtweisen der Einzelnen auf sich selbst, auf ihre Welt und auf die Welt des ihnen Fremden. Das Reisen ermöglicht mir nicht nur, unterschiedliche Menschen zu treffen, sondern es verschafft mir auch eine neue Position, die außerhalb des gewohnten Alltags liegt. Auf diese Weise kann ich etablierte Denkmuster in Frage stellen. Indem ich mich innerhalb mir unvertrauter Kulturen und Subkulturen aufhalte, eröffne ich mir neue Horizonte.

In meinen Arbeiten sollen gängige Vorstellungen hinterfragt werden, indem in einer Versuchsanordnung Kultur und in gewissem Sinne auch die "Weltordnung" auf die Probe gestellt werden. Dazu gehört der Verweis auf übliche und oft paradoxe Strukturen und Verhaltensmuster, wie sie innerhalb einer von Geldwirtschaft geleiteten Gesellschaft entstehen. Die Auswirkungen der Globalisierung, wie uneingeschränkter Konsum und Raubbau an der Natur, spielen dabei eine große Rolle.

Obwohl wir wissen, dass unser Verhältnis zur Umwelt aus dem Gleichgewicht geraten ist und es schwerwiegende Folgen für uns haben wird, wenn wir nicht unseren Umgang mit der Natur, unser Verhalten in der Welt verändern, bilden die Annehmlichkeiten unserer Lebensart ein allzu schweres Gegengewicht.
Der Konflikt zwischen Gesellschaft und Natur manifestiert sich auch in meinem persönlichen Dasein. Denn als Mensch ziehe ich meine Energie aus dem Kontakt mit der Natur, aus einsamen Wanderungen und beeindruckenden Landschaften. Als Künstler jedoch bin ich auf ein, zumeist an die Metropolen dieser Welt gekoppeltes, kreatives Umfeld angewiesen. In dieser ambivalenten Situation bin ich ein Kind der Zeit.
Deshalb ist das Ziel meines künstlerischen Schaffens, meine Beobachtungen, Erlebnisse, mein Wissen und somit meine Arbeit zu präzisieren und dadurch ausdrucksstarke Vorstellungsbilder zu schaffen, die als Grundlage für neue Interpretationsräume dienen.

Daniel Beerstecher