ÜBERN STRAND ANS MEER
2007 Fotocollagen


KONZEPT (altes Konzept für den mittlerweile realisierten Film: "Sand am Meer")

Die Sahara gilt als eines der menschenfeindlichsten Gebiete der Erde. Ohne ortskundigen Führer und modernste Technik wäre eine Tour durch diese unbesiedelte Wüsten- und Dünenlandschaft lebensgefährlich.
Doch geht auch ein unwiderstehlicher Zauber von dieser Region aus. Sonnenaufgänge, das Grün einer Oase nach Tagen in der Wüste, Sanddünen, unterschiedlichste Brauntöne, Einsamkeit, und natürlich die Märchen von Tausend-und-einer-Nacht. Da ich schon mehrfach in Wüsten unterwegs war, weiß ich, wie intensiv dieses Naturerlebnis sein kann. Gesellschaftliche Zwänge treten in den Hintergrund und man wird nach und nach eins mit der Natur.
Die Sehnsucht nach Abenteuer, nach unberührter Natur und fremden Kulturen wird in unserer Gesellschaft immer stärker und Individualreisen sind immer öfter unser "Ziel".
Diese Sehnsüchte möchte ich in meinem neuen Projekt ad absurdum führen: als Surfer werde ich aus der Wüste bis zum Meer ziehen, 3 Wochen soll die Wanderung „Übern Strand ans Meer“ dauern.

Mit diesem Projekt knüpfe ich an frühere Arbeiten von mir an, die auf ähnlichen Fragestellungen basieren. Z.B. entstand die Fotoinstallation „Hugo Boss/Sarek“ (2005) während einer 10-tägigen Wanderung durch den Sarek Nationalpark, der sich nördlich des Polarkreises befindet und zu den wildesten und einsamsten Gebieten Europas zählt. Während der gesamten Expedition trug ich einen Anzug der Marke Hugo Boss, in dem ich Flüsse durchquerte, Gipfel erklomm und unberührte Landschaften durchquerte. Die Fotografien lassen an professionelle Werbeaufnahmen für einen Survivaltrip für Manager denken. Doch diese Oberflächlichkeit wird gebrochen durch das Wissen um die Extremsituation, der ich während meiner Reise tatsächlich ausgesetzt war.

Auch die Videoarbeit „50°06’59,50“ N / 8°40’35,30“ 0“ (2007) zielt auf die scheinbar unüberbrückbare Distanz zwischen Mensch und Natur ab. In dieser Aktion lieferte ich mich nicht selbst der Natur aus, sondern ich fügte umgekehrt die Wildnis in die urbane Stadtlandschaft ein. Mit Hilfe eingeschmuggelter Naturmaterialien verwandelte ich eine Suite des Hilton Hotels in Frankfurt für eine
Nacht in eine Waldlichtung. Rollrasen, Steckbäumchen und Igluzelt werden hier zur Naturkonserve für den erfolgreichen Geschäftsmann, der seine Sehnsucht nach wahrer Naturerfahrung bei Kerzenschein, Tütensuppe und mit Vogelgezwitscher vom MacBook vor der Frankfurter Skyline auslebt.

Mit dem Projekt „Übern Strand ans Meer“ führe ich diese Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch und Natur fort, indem ich mich nicht nur der Realität des Naturphänomens Wüste aussetze sondern zugleich den Kontakt und den Austausch mit den dort beheimateten Kulturen suche. Die Konfrontation des Einzelnen mit der fremd gewordenen, bedrohlichen, aber auch schönen Natur wird so um die soziale Ebene erweitert.